ENGELBERG der russische Unternehmer Dmitry Yakubovskiy investiert verschiedentlich in Engelberg. Im exklusiven interview erklärt er seine Motivation.

Die Engelberg Industrial Group (EIG) ist eine Aktiengesellschaft um den russischen Unternehmer und Juristen Dmitry Yakubovskiy . Das Unternehmen hatte das Hotel Bänklialp vom Kloster gekauft und in Engelberg damit für Schlagzeilen gesorgt. Die «Bänklialp» ist aber längst nicht der einzige Bereich, in dem sich der 50-jährige Russe in Engelberg finanziell engagiert. Wir fragten bei Dmitry Yakubovskiy nach seiner Liebe zu Engelberg, seinen Interessen und warum man ihn im Dorf dennoch nicht gross wahrnimmt.

Dmitry Yakubovskiy, warum liegt Ihnen Engelberg am Herzen?

Dmitry Yakubovskiy: Ich bin zwar nicht jeden Tag in Engelberg, aber meine Familie und ich fühlen uns hier sehr wohl. Ich glaube, es sind vor allem die Menschen im Dorf, geprägt durch Glaube, Ruhe und Ausgeglichenheit des Klosters, und natürlich auch die schöne Landschaft, die Engelberg so attraktiv machen.

Warum hat die EIG das Hotel Bänklialp gekauft?

Dmitry Yakubovskiy: Die «Bänklialp» ist aus zwei Gründen von Interesse: Erstens ist es eine lokale Institution, die für die Bewohner ein Treffpunkt ist. Zweitens passt sie hervorragend in das Portfolio der EIG AG, denn bei unseren Investments verfolgen wir das Ziel, die Substanz zu erhalten und durch weitsichtige Investitionen nachhaltige Wirtschaftlichkeit zu erzielen.

Das Kloster hat im Hotel Bänklialp die Küche erneuert und einige Gästezimmer saniert. Welche Sanierungen hat die EIG vorgenommen oder noch geplant?

Dmitry Yakubovskiy: Die EIG AG hat die übrigen Gästezimmer renoviert, in die Kommunikation und Telefonie sowie auch aktuell in die Neugestaltung des Eingangsbereichs und den sogenannten «Kuhstall» investiert. Die Sanierungsarbeiten sind weitgehend abgeschlossen und die «Bänklialp » ist wieder als Dreistern-Hotel anerkannt worden. Zudem sollen im nächsten Jahr nach Möglichkeit aus den nicht mehr benötigten Personalzimmern weitere Zimmer für Gäste entstehen. Weiter haben wir die Sanierung der Umgebung, wie zum Beispiel die Zufahrtsstrasse, ins Auge gefasst.

Wie viel hat die EIG ausgegeben?

Dmitry Yakubovskiy: Für die Sanierungsarbeiten haben wir bisher weit über eine Million Franken investiert.

In Engelberg gab es nach dem Verkauf der «Bänklialp» durch das Kloster auch kritische Stimmen. Wie wollen Sie die Engelberger überzeugen, dass der Verkauf das Beste für die «Bänklialp» war?

Dmitry Yakubovskiy: Die EIG ist eine Schweizer Firma mit Sitz in Engelberg. Wir sind ein langfristiger Investor, die Erhaltung der Substanz und vor allem auch der Tradition steht bei uns im Vordergrund. Das haben wir mit unseren vielfältigen Immobilieninvestitionen bewiesen. Für Engelberg ist sicherlich auch die Finanzkraft des Investors wichtig, damit die werterhaltenden Investitionen getätigt werden können.

Aus welchen Geschäften stammen die Gelder, mit denen Sie sich in Engelberg engagieren?

Dmitry Yakubovskiy: Ich erkannte das Entwicklungspotenzial rund um Moskau und habe mich dort als Immobilienentwickler eingebracht, das ist mal besser gegangen, mal weniger gut. 2007 verkaufte ich AFK Sistema – den grössten börsenkotierten Mischkonzern in Russland. Dies war eine der bislang grössten Transaktionen auf dem russischen Immobilienmarkt.

Sie sind weiterhin auch noch in Russland tätig. Wo liegen Ihre Schwerpunkte dort?

Dmitry Yakubovskiy: Die Infrastrukturentwicklung in der Moskauer Region ist für mich immer noch sehr interessant, und ich bin via EIG massgeblich an weiteren Projekten beteiligt.  Dabei geht es unter anderem um den sozialen Wohnungsbau im Grossraum Moskau mit integrierter Infrastruktur wie Logistikzentren, Supermärkte,Spitäler usw. Da das Portfolio weit über 70 Quadratkilometer Bauland beinhaltet, sind die Projekte langfristig angelegt. Sie werden auch in Zukunft über Jahre hinaus ein wichtiger Bestandteil meiner beruflichen Tätigkeit sein.

In Engelberg nimmt man Sie bisher kaum wahr, obwohl Sie seit 2008 im Dorf wohnen. Sind Sie ein Mensch, der lieber im Hintergrund seine Arbeit macht und sich diskret engagiert?

Dmitry Yakubovskiy: Ich bin kein Typ, der an die grosse Glocke hängen möchte, wo er überall dabei ist. Ich suche auch keine Lorbeeren oder Applaus. Meiner Familie und mir ist es sehr wohl in Engelberg. Wir lieben das Dorf, den Kanton Obwalden und die Schweiz. Natürlich bin ich viel auf Reisen, auch in Russland, aber wir freuen uns immer sehr, nach Engelberg zurückzukehren.

Gehen Ihre Kinder in Engelberg zur Schule?

Dmitry Yakubovskiy: Meine Kinder sind noch zu klein, um zur Schule zu gehen – aber sie werden sicher in Engelberg eingeschult.

Das Quartier Chligrüssli ist eines Ihrer Bauvorhaben. Was planen Sie dort?

Dmitry Yakubovskiy: Im Chligrüssli entsteht eine Überbauung, die sich harmonisch in das Ortsbild einfügt. Sie besteht aus zwei Häusern mit einem gemeinsamen Wellnessbereich.
Das Büro Burch und Partner Architekten AG in Sarnen hat das Projekt ausgearbeitet. Wir beabsichtigen, mit Materialien aus der Region zu arbeiten, und die Gestaltung zeugt von Respekt für die Natur.

Der Quartierplan ist rechtskräftig, Beschwerden sind vom Regierungsrat abgewiesen worden. Wann wird gebaut?

Dmitry Yakubovskiy: Das Projekt wurde mehrmals öffentlich präsentiert und findet breite Zustimmung und Unterstützung von Behörden und Bevölkerung. Es gab einige wenige Einsprachen, wobei nur eine von einem Einwohner aus Engelberg stammt. Wir sind glücklich, dass der Entscheid des Regierungsrates zu unseren Gunsten ausgefallen ist und wir voraussichtlich im kommenden Frühling mit dem Bau beginnen können.

Wird das Chligrüssli Ihr neuer Wohnsitz?

Dmitry Yakubovskiy: Vorerst besass mein Bruder (Anm. d. Red.: Unternehmer Stav Jacobi, Präsident und Mäzen des Zürcher Volleyballclubs Voléro) das Land in Engelberg. Als ich ihn einmal besuchte, wurde ich von der Schönheit des Ortes und der Natur völlig in den Bann gezogen. Daraufhin bat ich meinen Bruder, mich an diesem Projekt beteiligen zu dürfen. Es soll ein gemeinsamer Familiensitz entstehen.

Warum unterstützen Sie auch das WeltcupSkispringen, die BrunniBahn, die Primarund Sportmittelschule sowie weitere Institutionen?

Dmitry Yakubovskiy: Mein Engagement bei der Brunni-Bahn erfolgte im Rahmen eines geschäftlichen Investments. Bei der Kapitalerhöhung hat die EIG AG Aktien gezeichnet. Zusätzlich unterstütze ich via EIG gewisse Einrichtungen aus persönlichem Interesse. Ich hatte Glück und Erfolg im Leben und sehe so einen Weg, der Gesellschaft etwas zurückzugeben.

Das sind somit private Engagements?

Dmitry Yakubovskiy: Ja, sie werden aber über die EIG AG abgewickelt. Ich sehe das als meinen persönlichen Beitrag, um etwas zur Standortattraktivität von Engelberg beizutragen und  lokale Projekte zu unterstützen.

Warum denken Sie, dass Sie trotz Ihrer Investitionsabsichten in Engelberg teilweise Gegenwind spüren?

Dmitry Yakubovskiy: Nun, ich kann verstehen, wenn die Bewohner gegenüber Neuzuzügern kritischer eingestellt sind. Das Fremde löst ja oftmals auch Ängste aus. Darum möchte ich mit der einheimischen Bevölkerung transparent und offen kommunizieren, wie wir es beim Projekt Chligrüssli bewiesen haben. Das ist mir wichtig. Als Aussenstehender sieht man die Sachen vielleicht auch etwas objektiver, was für ein Vorhaben oder auch die Region wertvoll sein kann.

 

Interview Geri Wyss

geri.wyss@obwaldnerzeitung.ch

Quelle: wwww.obwaldnerzeitung.ch

UPDATE: Dmitry Yakubovskiy baut Supervilla in Engelberg

 

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